Freitag, 8. Februar 2008
Liebe Empfänger/innen dieser Nachricht:
viel Anteilnahme haben wir in diesen Tagen hier von euch empfangen; danke für euer Gedenken, für alle wohltuenden und treffenden Worte.
Am Mittwoch früh um 9 Uhr erreichte ich etwas abenteuerlich San Antonio de Lomerío, der Bischof war in letzter Minute verhindert. Das ganze Dorf war an der Schule versammelt, wo Luzi verdeckt mit Tüchern im Sarg aufgebahrt war. Nach all dem Vorgefallenen und bei 35 Grad Hitze war es höchste Zeit für die Beerdigung. Diese fand dann -Gott sei Dank im schattigen Friedhof- von 11 Uhr bis 14 Uhr statt.
Ich sehe mich ausser Stande, darüber zu berichten.
Hier nur zwei kleine, luzianische Sonderheiten:
--In gebrochenem Deutsch sangen Mädchen und Frauen "Luzis Hymne":
Meine Liebe gebe ich euch,
eine Liebe, die die Welt noch nicht kennt,
Eine Liebe, die die Welt nicht verstehen kann.
Liebe geben, Liebe leben;
meine Liebe gebe ich euch. (oder so ähnlich)
Und ich spürte, sie wussten, was sie sangen.
--Und dann ein Gesangs-Beitrag, von etwas mehr als einem Dutzend Lomerianern, die schon einmal im Solidaritätsaustausch mit Luzi durch Südtirol streiften, ein Beitrag, der mich bei jeder anderen Beerdigung wahrscheinlich befremdet hätte; hier schnürte es mir die Kehle zu, und es war mehr als nur Schweiss, was da reichlich über die Wangen herunter lief:
Das Schönste auf der Welt
ist mein Tiroler Land...
Tiroler Land, du bist so schön, so schön,
wer weiss, wann wir uns wieder sehn, ja wieder sehn?
Tiroler Land, du bist so schön,
wer weiss, wann wir uns wieder sehn?
Das waren nur die "deutschen" 5 Minuten der ganzen 3 Stunden, und es war überhaupt nichts zu viel. Niemand wich von der Stelle. Die meisten lagen sich in den Armen. Wie ein einziger Blutkreislauf.
Es müsste schon ein Papst nach San Antonio kommen, um vielleicht die Kirche noch einmal so zu überfüllen wie beim Abendgottesdienst für Luzi.
Ich kenne Luzi nach über 30-jähriger Zusammenarbeit und Freundschaft so gut, dass ich errate, was sie uns jetzt sagen würde:
"Es ist ein Herzenswunsch von mir, dass es euch gut geht!"
Danke, Luzi, muchas gracias, du Wanderer zwischen zwei Welten: vergiss uns jetzt nicht in der dritten!
J o s é
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