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Santa Cruz, 20.04.2008

Mit einem Auge schaue ich mir den Abschlussgottesdienst des Papstes in New York an. Dank des katholischen Senders EWTN können wir gemeinsam mit Katholiken in den USA den Besuch Benedikts XVI erleben.

Heute, der nächste Sonntag der österlichen Zeit. An beiden Gottesdiensten war unsere Kirche überfüllt. Wie fast jeden Sonntag, haben wir durch das Sakrament der Taufe 10 Kinder in unsere Gemeinschaft aufgenommen. Bolivien zeichnet sich durch eine ganz junge Gesellschaft aus. Im Gottesdienst sehen wir oft mehrere Generationen - von den Großeltern bis zu den kleinsten Enkeln oder sogar Urenkeln. Vor jedem Gottesdienst gehe ich zwei Mal zum Glockenturm um die Glocken zu läuten. Jedes Mal steht schon eine Schar von Kinder bereit, mir dabei zu helfen. Generell sind unsere Kinder sehr spontan, fröhlich und offen.

Ein sonniger Tag ist heute. Gefühlte 28 - 30°C. Es ist angenehm. Die Nächte sind schon kühler und die Mauern speichern nicht mehr so viel Hitze. Der Sommer neigt sich dem Ende und die Trockenzeit beginnt. Bis jetzt ist noch alles grün und auf dem Markt türmen sich Mandarinen, Apfelsinen und Grapefruits. Gestern habe ich einen Sack, so ca. 15 kg Grapefruits für 10,- Bolivianos (ca. 1,- €) gekauft. Jede Jahreszeit hat seine saisonale Früchte und Gemüse. Einige von ihnen sind in Europa nicht bekannt, da sie für den Transport nicht geeignet sind. Andere wie z.B. Bananen werden das ganze Jahr geerntet.

Was machen die Menschen am Sonntag in der Großstadt Santa Cruz? Genau wie wo anders wird der freie Morgen zum Ausschlafen genutzt. Viele, wenn auch nicht alle, kommen zu den Gottesdiensten. Auch die Freikirchen halten an den Vormittagen ihre Versammlungen ab. Auf den Straßen ist es ruhig. Die Familien besuchen sich gegenseitig und bereiten gemeinsam das Mittagessen vor. Am Nachmittag füllen sich die Parks, Sportplätze, Eisdielen.

Auch in den Dörfern findet das Leben draußen statt. Die Menschen besuchen sich gegenseitig, spielen Fußball, die Kinder sind im ganzen Dorf zu finden.

Hier im Konvent herrscht am Sonntag ganz viel Ruhe. Nach dem morgigen Gottesdienst fahren alle Priester in die Filialkirchen und Kapellen. Jeder von ihnen hat bis zu 5 Gottesdienste. Um Mittag zu essen, kommen sie zu unterschiedlichen Zeiten. Erst am Abend so gegen 21:30 sind wir wieder vollzählig.

Am Montag hatten wir ein Treffen des Finanzrates des Vikariats, aber leider konnten wir einige Probleme nicht lösen

Die vergangene Woche habe ich vorwiegend alleine im Büro verbracht. Juan Carlos ist krank geworden und die Familie von Oswaldo hat sich um den kleinen Moreno vergrößert. Eigentlich habe ich eine Reise ins Vikariat geplant, aber wie oft kann das, was geplant ist aus unterschiedlichen Gründen nicht realisiert werden. Wer von euch kennt es nicht…

In der Woche davor ist es mir aber gelungen, die Stadt zu verlassen. Wieso gelungen? Wegen Streiks und Straßenblockaden. Schon vor einem Jahr haben wir das jährliche Treffen der Brüder in Machiareti geplant. Nur leider werden in Richtung Argentinien z. Zt. die Straßen blockiert. Gemeinsam mit Bruder Marek haben wir uns auf dem Weg gemacht. Etwas Risiko war dabei, aber wir hatten Glück und sind gut durchgekommen. Vielleicht hat uns ja auch Neugierde getrieben. Dort waren wir noch nicht und waren auf die Gegend sehr gespannt. Wir sind sehr positiv überrascht worden. Asphaltierte Straße - die beste die ich bis jetzt in Bolivien befahren habe, eine abwechslungsreiche Landschaft die mich etwas an einen Western erinnerte. Alles wäre gut, wenn wir uns nicht die Straße mit den Kühen teilen müssten. Nach ca. 300 km haben wir, in einem Tal gelegen, Camiri erreicht. Einen Stadt mit ca. 30 000 Bewohnern. Über viele Jahre haben in dieser Gegend Franziskaner aus Italien gearbeitet. Der heutige Bischof des Vikariats Camiri ist ein Franziskaner aus Italien. Die Kathedrale steht mitten in der Stadt, der Konvent dagegen liegt hoch über der Stadt auf einem Berg. Unsere Mitbrüder haben uns freundlich aufgenommen und auf dem Rückweg konnten wir ein echtes italienisches Mittagessen genießen.

Nach weiteren 100 km haben wir, schon im Dunklen, unser Ziel erreicht, so dass wir erst am nächsten Morgen die schöne Lage des Konvents bewundern konnten.

Aus ganz Bolivien haben neun Brüder den Weg geschafft und wir haben eine arbeitsreiche aber auch schöne Zeit miteinander verbracht. Es ist für uns die Zeit im Jahr, in der wir Erfahrungen austauschen und voneinander lernen können.

Am Nachmittag haben wir die Familie eines Mitbruders, der aus der Gegend stammt besucht. Anschließend sind wir nach Villamontes gefahren, wo Klarissinnen ihr Kloster haben. Obwohl die Argentinische Grenze nur noch 100 km entfernt war (was für Bolivianische Verhältnisse ein Klacks ist) haben wir nicht mehr geschafft dorthin zu fahren. Aber vielleicht ein anderes Mal.

Auch die Reise nach Santa Cruz konnten wir ohne Probleme antreten - die Straße war an diesem Tag frei.

Und Politik - oh je! Es lohnt sich nicht sich darüber aufzuregen. Keine Spur von Kompromissbereitschaft, Einigkeit oder Demokratie. Die Situation ist sehr angespannt.

So, dass war's für heute - viele Grüße aus Santa Cruz und bis zum nächsten Mal.

Tarcisio OFM





Missionsarbeit der Franziskaner aus der St. Hedwig-Provinz
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Last modification: 14 Mai 2008
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