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Santa Cruz - Karfreitag - Ostern 2008

Diese Stille, die heute in Santa Cruz herrscht, würde ich mir öfters wünschen. Leider sind es nur wenige Tage im Jahr, an denen unsere Großstadt verstummt. Einer von denen ist Karfreitag. In Bolivien ist es ein gesetzlicher Feiertag. Am Vormittag finden auf den Straßen Kreuzwegandachten statt. Unterschiedliche Jugendgruppen in den Gemeinden bereiten oft dafür eine Art von Passionsspielen vor. Die Liturgie vom Leiden und Sterben Jesu findet dagegen auf dem Platz vor dem Dom statt. Kardinal Julio Terrazas leitet diese Liturgie. Danach findet eine Prozession mit Jesus- und Marienfiguren statt. Diese bewegt sich durch die ganze Stadt und erfahrungsgemäß nehmen abertausende von Menschen an ihr teil. Die Menschen pilgern bis spät in die Nacht von einer Kirche zur anderen.

Es ist schon faszinierend zu sehen, wie auch die Politiker, die normalerweise nicht viel oder gar nichts mit der Kirche zu tun haben, diesen Tag für sich nutzen um sich medienwirksam bei den unterschiedlichen Zeremonien zeigen.

Leider ist die politische Situation im Lande nach wie vor sehr angespannt. Die geplante Reform der Verfassung liefert weiterhin viele Gründe zum Streit zwischen der Regierung und der Opposition. Die bolivianische Bischofskonferenz hat sich als Vermittler bei den Verhandlungen angeboten. In diesen Tagen hat Evo Morales die Zensur für einige Fernsehsender und andere Medien, als Mittel für das Wohl des Staates, angesprochen. Aus der Geschichte sind uns diese Mittel nicht fremd und uns ist es bewusst, dass auf diese Weise das Volk manipuliert werden kann.

Obwohl es in den letzten Tagen noch viel geregnet hat, beruhigt sich langsam die Lage in den Hochwassergebieten. Unsere Köchin ist vor einigen Tagen aus ihrem Heimatort Valegrande, wo sie ihre Eltern besucht hat, zurückgekehrt. Sie berichtete, dass unzählige Straßenabschnitte erheblich beschädigt und viele Brücken unpassierbar sind. Die Fahrer der Busse und LKWs bewegen die Fahrzeuge oft am Abgrund und etliche Unfälle sind schon geschehen. Die Straßen sind aufgeweicht und der Zustand der Fahrzeuge kann nur selten als befriedigend beschrieben werden.

Obwohl das Wasser sich langsam zurückzieht müssen Tausende von Menschen noch Monate in Zelten und Notunterkünften ausharren. In unserem Vikariat haben wir auch in diesem Jahr ein Zeltlager. Die Bewohner El Carmens und der umliegenden Dörfern sind in Los Troncos untergebracht. Um sie kümmern sich: der Pastor der Gemeinden El Fortin und EL Carmen P. Stanislaw, Bruder Felix und die Caritas. So oft wie möglich besucht auch Bischof Antonio die Geschädigten. Wichtig ist aber, dass es viele Menschen in Bolivien und auch anderswo gibt, die sich mit den Opfern der Katastrophe solidarisieren.

Im Vikariat dauern die Vorbereitungen für die Feiertage an, wie überall auf der Welt auch, so dass nur sich Wenige auf den Weg nach Santa Cruz machen konnten, um das Nötigste zu besorgen. Daher mussten wir alle Bestellungen mit Überlandbussen an die einzelnen Gemeinden verschicken. Ich hoffe, dass alles rechtzeitig angekommen ist. Auch hier im Konvent spürt man die Hektik. Jeder Priester muss seinen Dienst in mehreren Kirchen und Kapellen tun und so bin ich hier meistens alleine.

Vor einigen Tagen ist unser Bruder Diego, nach seinem 8-monatigem, gesundheitsbedingtem, Aufenthalt in Europa zurückgekehrt. Mit seinen 86 Jahren hat er sich erstaunlich gut erholt und war er schon am nächsten Tag so fit, dass er schwimmen gefahren ist.

Heute verlässt uns Dr. Ellerhorst aus Trier, der seit 26 Jahren jedes Jahr einige Wochen in Santa Cruz verbringt und hier unentgeltlich Augenoperationen, Behandlungen und Beratungen durchführt.

So langsam neigt sich bei uns der Sommer, also die Regenzeit, dem Ende. Es regnet noch ab und zu, aber wenn dann die Sonne rauskommt, ist es bei Temperaturen um 30° sehr schwül. Noch ist es grün, aber wenn es nicht mehr regnet, vertrocknet alles sehr schnell und die kühlen Winde aus dem Süden werden uns dazu zwingen die dicken Jacken und Decken aus dem Schrank rauszuholen.

Uns allen wünsche ich für die kommende Tage des Triduums einige Momente zum Nachdenken und zum Beten. Wir glauben aber auch daran, dass nach den traurigen und schmerzhaften Tagen wir voll Hoffnung das fröhliche Alleluja singen werden.

Frohe Ostern !!!

Tarcisio Josef Lamik OFM





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Last modification: 14 Mai 2008
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