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Santa Cruz, 03.02.08

Der erste Sonntag im Februar, Karnevalssonntag, also viel Musik, Gesang und Tanz begleitet uns die ganze Zeit. Wie könnte es denn anders in Südamerika sein? Ab und zu sehnen wir uns nach etwas Ruhe - aber da müssen wir wohl noch etwas warten. Zwar sind es bis zu Aschermittwoch nur noch zwei Tage, aber erfahrungsgemäß dauert das hier noch etwas länger. Gestern fand corso, also der Karnevalszug statt, der bis zu spät in der Nacht gefeiert wird. Die Auswirkungen haben wir heute Morgen in der Kirche gesehen - noch nicht mal die Hälfte war gefüllt. In der Karnevalszeit werden die alltägliche Sorgen, Politik und die alle andere Probleme vergessen. Aber kaum sind die letzten Klänge verstummt, fangen die üblichen Streitigkeiten, Streiks und Straßenblockaden an. Die Realität ist leider nicht so bunt und fröhlich wie der Karneval.

Die starken Regenfälle haben mal wieder zu Überschwemmungen in der Region geführt. Der Rio Grand sucht sich erneut einen neuen Lauf und nimmt alles mit, was im Weg steht - Häuser, Bäume, Tiere und leider auch Menschen. Nicht nur der Rio Grande ist über die Ufer getreten, auch andere Flüsse im Land führen zu viel Wasser mit sich. Es werden dutzende Menschen vermisst und Zigtausende haben ihre Häuser verlassen. Die Regierung verspricht, wie immer, Hilfen, diese sind jedoch minimalistisch. Und schon wieder ist Bolivien auf die Hilfe aus dem Ausland angewiesen.

Auch die Menschen in unserem Vikariat sind von der Überschwemmung betroffen. Die Gemeinde El Carmen ist von der Außenwelt abgeschnitten. Teil der Bevölkerung ist mit Hubschraubern und Booten evakuiert worden und so ist in Los Troncos mal wieder ein Zeltlager errichtet worden. Bischof Antonio hat in seiner Sorge die Betroffenen besucht und ihnen Hilfe zugesagt.

El Fortin, wo vor zwei Jahren sich die große Katastrophe ereignet hat, ist bis jetzt trocken geblieben. Bruder Felix hält dort die Stellung. Der Pastor der Gemeinde liegt der Zeit leider im Krankenhaus, aber so langsam geht es ihm besser und er hofft bald aus dem Krankenhaus entlassen zu werden.

Der Rio Grande hat auch die Hauptverkehrsader in Richtung Beni, San Igantio und Brasilien unterspült. Eine Woche mussten Tausende von Menschen, unzählige LKW mit Gemüse, Obst, Tieren und anderen Gütern und Züge auf Besserung der Wetterlage und auf eine notdürftige Reparatur der Straße warten.

Die einen warteten in der Stadt und anderen konnten nicht aus dem Vikariat nach Santa Cruz kommen. Auch Bischof Antonio konnte nicht an der Sitzung des Episkopats teilnehmen.

Nach einer kurzen Pause regnet es wieder in den Bergen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Pegel am Rio Grande wieder steigen wird.

Die Überschwemmungen stellen immer wieder ein großes Risiko für die Menschen in Bolivien dar. Die Hilfen der Regierung sind kaum der Rede wert und nicht einmal Hilfsgelder sind aus dem Ausland in dunklen Kanälen verschwunden. Der Kampf des Menschen gegen die Gewalten der Natur ist immer ungleich.

Am vergangen Donnerstag musste eine Boeing 327-200, die der insolventen staatlichen Linie LAB gehört und von der Militärfluglinie TAM gechartert wurde in der Nähe von Trinidad, im Busch, notlanden. Zum Glück konnten alle 157 Menschen, die an Bord waren, gerettet werden. So gibt es ja auch einmal ein gutes Ende einer Katastrophe.

Das Personalkarussell im Vikariat dreht sich weiter. P. Andreas, der zuletzt in San Pablo gearbeitet hat, musste wegen gesundheitlicher Probleme nach Polen fahren. Seine Stelle hat P. Pawel übernommen. Zu den vorhanden Aufgeben sind P. Marisz und P. Kazimierz zu Verwaltern der Gemeinden San Antonio und La Asunta ernannt worden. Die, die schon in Bolivien waren, wissen wo die Gemeinden liegen und welche Entfernungen die Beiden zu bewältigen haben.

Auch bei uns im Convent werden wir immer weniger. P. Clemente, der schon seit 40 Jahren in Bolivien arbeitet, fliegt morgen nach Europa. Trotz seiner 72 Jahre ist er noch sehr aktiv und hilft, wo er nur kann. Wir hoffen, dass er sich gut in seinem geliebten Südtirol erholt, und die Sehnsucht ihn wieder nach Bolivien zurückkehren lässt. Jetzt wünsche ich Ihm eine guten Flug und einen schönen Urlaub.

So bleiben wir im Convent 4 aktive und der kranke P. Waldemar.

In den letzten Tagen ist unsere bolivianische Post aus der Lethargie erwacht und so nach und nach erreicht uns die ... Weihnachtspost!!! Danke also Allen für die guten Wünsche.

Bei uns ist jetzt Sommer - Zeit in der es die besten und leckersten Früchte gibt. Die Stände auf dem Markt biegen sich unter der Last der bunten Leckereien. Ein Kilo Weintrauben, Aprikosen oder Pfirsiche kostet so etwa 1 € - ich sage euch - ein Paradies. Es fehlt aber auch nicht an Gemüse. Tomaten, Yucka, Kartoffeln....wie gemalt.

Die nächsten zwei Tage ist wegen Karneval die Prokura geschlossen. Meine Mitarbeiter feiern und ich werde ein wenig das Liegengebliebene aufarbeiten, aber auch mich etwas um meine Gesundheit kümmern. Na ja - die besten Jahre sind um - diverse Wehwehchen machen auch vor mir nicht halt.

Am Mittwoch fliege ich dann nach Cochabamba (2800 MNN), um in der Sitzung der ökonomischen Kommission teilzunehmen. Die Höhe macht mir immer wieder zu schaffen, aber letztendlich bin ich froh, dass ich nicht nach La Paz muss - dort wünsche ich mir oft die Sauerstoffmaske.

Für alles Gute, was Ihr für uns tut, möchte ich jetzt ein herzliches Vergelts Gott aussprechen

Tarcisio ofm





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Last modification: 14 Mai 2008
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