|
Concepcion, 29.04.07
Vor mir das Grün des Bischofsgarten in Concepcion. Ich sitze hier gemütlich am kleinen Tisch. Vor mir der Laptop und ein Becher Kaffee und ich versuche mal wieder für euch das Aktuellste zusammen zu fassen. Das Wetter ist heute super. Der erste "Sur", der uns drei Tage lang die kalte Luft vom Feuerland gebracht hat ist nun vorbei und wir können eine gut erfrischte und gereinigte Luft genießen. Die kalten Winde aus dem Süden - genannt Sur - bringen im bolivianischem Winter immer Abkühlung mit sich. Man kramt dann die warmen Sachen aus den Schränken und deckt sich nachts mit warmen Oberbetten zu. Die Temperaturen fallen dann auch bis auf 8°C. Sie dauern meisten ein paar Tage, aber danach ist es sehr angenehm. Der Garten hier ist von den 300 Jahre alten Mauern der Kathedrale und des Klosters umgeben. Noch ist alles grün und die Mango- und Zitrusbäume tragen Früchte. Die blühenden Hibiskussträucher geben dem ganzen noch mehr Charme. Es tut gut, sich hier vom Alltagsstress erholen zu können.
Aus Santa Cruz bin ich in Begleitung von Bruder Marek, der schon seinen Spanischkurs beendet hat, gekommen. Auch Bischof Antonio hat einen Gast aus Cochabamba mitgebracht. Seit einigen Monaten arbeitet Lorenzo, unser slowenischer Mitbruder in Tarata, in einem der ältesten Klöster Boliviens. Bis jetzt hatte er keine Gelegenheit den Osten Boliviens zu besuchen. Auch zwei Kursfreunde von Marek sind mit Ihm gekommen, um seine zukünftige Wirkungsstätte kennen zu lernen. Es sind Maciek - ein Missionar aus Afrika und Rumu - und eine Soziologieprofessorin aus New Jersey. So hat sich eine nette Truppe zusammengefunden: Nach einer Pause in San Ramon, wo wir an einer Sitzung teilgenommen haben, sind wir dann weiter nach Concepcion gefahren. Trotz der vielen Nationalitäten und Sprachen kommen wir alle miteinander super zurecht. Bischof Antonio hat die Gäste zu einer Besichtigungstour durch Concepcion und Umgebung eingeladen und ich genieße die Ruhe hier im Garten. Es gefällt mir so gut, dass ich überlege, ob ich mir das Wochenende nicht bis zum 1.Mai verlängern soll –- es ist ja auch hier ein Feiertag.
Heute morgen haben wir erfahren, dass Bischof Bonifacio Madesbacher verstorben ist. Viele Jahre hat er in Bolivien gearbeitet und die benachbarte Diözese San Ignacio de Valesco geleitet. Mit unserem Bischof Antonio haben wir Ihn letztes Jahr noch in Hall/Tirol besucht, wo er, durch den Alzheimer gezeichnet, seinen Lebensabend verbracht hat. Möge der barmherzige Gott Ihn für seine Arbeit und sein Leiden mit der ewigen Freude entlohnen.
Br. Diego kommt langsam wieder zu Kräften und so konnten wir am Donnerstag sein 84. Geburtstag feiern. Der Zustand des P. Rudolfo ist dagegen nach wie vor kritisch. Trotzdem bereiten wir seine Rückkehr nach Hause vor. Die Ärzte und wir versprechen uns eine Verbesserung des Zustands in den heimischen vier Wänden. Natürlich wird er auch bei uns im Konvent rund um die Uhr Pflege bekommen und Betreuung haben.
In der letzten Woche habe ich einige Tage in Cochabamba verbracht. Dort habe ich (stellvertretend für unseren "Chef") in der landesweiten Versammlung der Vorgesetzten teilgenommen. Das Treffen fand etwas außerhalb der Stadt, in einem Exerzitienhaus das von Nonnen geführt wird, statt. Es waren sehr intensive und arbeitsreiche Tage. Wir haben unsere Erfahrungen austauschen können, neue Leute kennen gelernt (die Entfernungen in Bolivien sind so groß, dass ich bis heute nicht alle meiner Mitbrüder kenne) und alles wäre super gut gelaufen, wenn wir nicht Probleme mit Wasser bekommen hätten, aber das sind halt die Gegebenheiten in einen Missionsland.
Während des Treffens hat uns eine Tragische Nachricht erreicht - ein Bus der auf dem Weg aus Santa Cruz nach Cochabamba war, ist in eine 100 m tiefe Schlucht hinabgestürzt. Es gab 33 Tote und viele Verletzte. Ich mag ja gar nicht dran denken, dass einer von uns hätte darin sitzen können. Die Unfallursache ist noch nicht bekannt, aber oft spielen Übermüdung, der schlechte Zustand der Fahrzeuge und Straßen und leider auch Alkohol eine Rolle. Das sicherste Transportmittel ist hier dann doch das Flugzeug. Zwar sind sie nicht immer pünktlich, aber der Sicherheitsstandard ist schon sehr hoch. Daher nehmen wir "gerne" lange Wartezeiten in Kauf, wie z.B. auf der Rückreise nach Santa Cruz; dort haben wir gemeinsam mit Pater Bernardo "nur" 6 St. verbracht.
Eins muss ich noch loswerden - nach 5 Wochen Exil konnte ich endlich wieder in mein Zimmer zurückkehren. Ich habe jetzt zwei Räume zur Verfügung und so etwas mehr Luft und Raum, was bei den Temperaturen schon sehr wichtig ist. Meine Freude ist riesig!!!!!!
Grade kehren die Ausflügler zurück, ich mache also auch Schluss. Ich wünsche euch einen schönen Mai und grüße im Namen Aller, die sich hier zusammengefunden haben
Tarcisio OFM
|