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Santa Cruz, 28.01.07
Seit dem frühen Morgen regnet es bei uns ununterbrochen. Die Straßen sind zu reißenden Bächen geworden, kaum jemand traut sich nach Draußen. Aus dem Grund war auch die Zahl der Gottesdienstbesucher sehr überschaubar. Es ist ja auch nicht verwunderlich: das Regenwasser fließt auf den Straßen und Bürgersteigen, so dass sie meistens für Stunden nicht passierbar sind. Ein anderes Problem ist dann an solchen Tagen die nass gewordene Wäsche. Ohne Sonne kann man sie nicht trocknen. Januar ist ein reigenreicher Monat, fast täglich, mal mehr mal weniger, kommen Wassermassen auf uns hernieder. Danach ist es meistens sehr schwül, aber heute haben wir sehr angenehme 20°C. Daher sitze ich vor dem Rechner anstatt eine Siesta zu machen und schreibe euch ein paar Zeilen.
Zum Anfang eine traurige Nachricht. In der vergangenen Woche ist der Vater von P. Pedro Polanko im Alter von 59 Jahren plötzlich verstorben. Die Beerdigung findet morgen statt. Pedro ist schon in Polen gelandet und so wird er im Kreis der Verwandten Abschied von seinem Vater nehmen können. Wir hier in Bolivien sind mit ihn im Gebet verbunden. Um das gleiche möchte ich euch Alle bitten. R.I.P.
Die zwei letzten Wochen waren etwas ruhiger, aber von der Normalität sind wir weit entfernt. Immer noch dauern die Um- und Ausbaumaßnahmen im Konvent und in der Kirche an. Dauernd kommen und gehen irgendwelche Arbeiter, Material wird geliefert u.s.w. In der Kirche ist z.Zt. Oskar, ein junger Künstler aus San Ignatio, mit dem Anbringen von Malereien an den Wänden beschäftigt. Es werden Motive aus dem Leben Jesu, sowie Bilder, die mit unserem Ordenspatron hl. Franzis und dem hl. Antonius - Patron der Kirche zu tun habe, sein. Interessant ist dabei, dass in vielen Gesichtern Menschen, die mit der Gemeinde und dem Konvent zu tun haben, erkennbar sind. Ich bin sehr gespannt, wann alles fertig sein wird, dann werde ich Fotos machen.
Im Büro haben wir reichlich zu tun, vor allem, weil Juan Carlos im Urlaub ist. So sitze ich die meiste Zeit am Computer und Oswaldo erledigt Angelegenheiten in der Stadt. Die nächste Woche wird aber noch schwieriger für ihn. Ich muss nämlich nach Cochabamba: Dort sind zwei Arbeitstreffen geplant. Ich hoffe jedoch, dass ich wenigstens abends Zeit haben werde, um Br. Martin - der einen Sprachkurs besucht, P.P. Cezar und Sigismund zu treffen.
Seit einigen Tagen ist es ruhig in Cochabamba, was mir Mut macht, dorthin zu fahren. Oft überlege ich - und nicht nur ich - ob die Menschen, die dort so laut und gewaltvoll demonstriert haben, überhaupt verstanden haben, worum es geht oder ob sie von einigen Wenigen manipuliert worden sind. Ob es auch was gebracht hat - keine Ahnung - ich hoffe, dass die Menschen, die dort ums Leben gekommen sind, nicht um sonst gestorben sind und die Regierung etwas daraus lernt.
Letzte Woche hat Präsident Evo Morales 7 neue Minister ausgetauscht - wie werden sie sein??? Vielleicht können wir auf mehr Demokratie zählen.
Die von mir schon erwähnte Regenfälle haben wieder einmal dazu geführt, dass der Rio Grande über die Ufer getreten ist. Es sind einige Dörfer evakuiert worden und es gab auch Tote. Viele Menschen müssen wieder in Zelten leben. Die Caritas und das Vikariat versuchen so gut es geht zu helfen. Diesmal hat El Carmen sehr gelitten. In El Fortin hat sich bis jetzt die Lagune mit Wasser gefüllt, aber das Dorf ist noch trocken.
Das Vikariat lebt sein Rhythmus. Es gibt Höhen und Tiefen.
Die schon beschrieben Hochwasserkatastrophe ist die eine, Krankheiten unserer Mitbrüder ist die andere Schwierigkeit, mit der wir zu kämpfen haben. Letzte Woche ist P. Waldemar aus Urubicha gekommen, um die Ursachen für sein Unwohlsein zu finden. Nachdem er dann am Sonntag weder zum Gottesdienst noch zum Frühstück erschienen ist - haben wir mit Bruder diego nach Ihn geschaut. Mit einem dickangeschwollenen Bein und starken Schmerzen haben wir ihn in seinem Zimmer gefunden. Als ob das noch zu wenig wäre, hatten wir an diesem Morgen weder Strom noch Telefon. Nach langem Suchen konnten wir einen Arzt finden, der einen Knochenbruch diagnostiziert hat. Am Montag ist er dann operiert worden und der Bruch ist mit Schrauben und Platten fixiert worden. Jetzt ist er in Ascencion, wo er in unserem Krankenhaus von den dort tätigen Schwestern rund um versorgt wird.
Jetzt zu den schöneren Dingen im Leben. Unsere "Neuen" haben sich schon gut in Bolivien eingelebt und arbeiten schon selbständig in den Gemeinden. Marius und Paul haben in den vergangenen Tagen zu ersten Mal ihre Geburtstage hier gefeiert - nachträglich "Alles Gute".
Gestern hat Bischof Antonio in San Julian zwei junge Männer zu Diakonen geweiht. Wir hoffen, dass sie uns bald in unserer Arbeit unterstützen werden.
Und was uns noch das Leben etwas schöner macht? Es sind die leckersten und süßesten Früchte, die man sich nur vorstellen kann: Weintrauben, Pfirsiche, Pflaumen........hm........Appetit bekommen??? - da müsst ihr nach Bolivien kommen. Hier kann man diese Köstlichkeiten schubkarrenweise auf den Märkten kaufen.
Denkt bitte ab und zu an uns!
Ich wünsche Euch, dass der von so Vielen ersehnte Winter nicht zu hart und zu gefährlich wird und dass es keine Orkane mehr gibt - sogar hier bei uns haben sie Bilder der Zerstörung in Polen und in Deutschland gezeigt.
Passt gut auf Euch auf und bleibt mit Gott
Tarsycjusz OFM
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