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Santa Cruz 14.01.07

Heiß, schwül und sonnig. So kann man die Wetterlage in Santa Cruz für den heutigen Tag bezeichnen. In diesem Jahr regnet es sehr viel, was bedeutet, dass nicht selten ganze Straßen in der Stadt unpassierbar und die Armenviertel oft von der Außenwelt abgeschnitten sind. Grund hierfür ist die schlechte Infrastruktur der Millionenstadt, in der wir leben.

Wenn ich schon vom Wasser spreche, fragen sich viele von Euch sicherlich, was mit El Fortin ist. Zum Glück halten die Schutzwälle noch und das Wasser ist noch nicht ins Dorf vorgedrungen. In einigen anderen Orten war etwas Wasser, aber nichts Bedrohliches. Wir hoffen, dass das bis Ende der Regenszeit so bleibt und wir keine Katastrophen erleben werden.

Die politische Situation in Bolivien ist sehr angespannt. In Cochabamba (drittgrößte Stadt Boliviens) ist es in den vergangenen Tagen zu blutigen Auseinandersetzungen gekommen. Vier Menschen sind ums Leben gekommen und über 100 verletzt worden. Die Kokabauern aus den umliegenden Dörfern, die auf der Seite der jetzigen Regierung stehen, haben sich Straßenschlachten mit den Stadtbewohnern, die zum größten Teil die Autonomieidee des Präfekten unterstützen, geliefert. Die Landes- und Lokalpolitiker sind mit der Situation völlig überfordert und beschuldigen sich gegenseitig diese Eskalation provoziert zu haben. Unser Kardinal hat seine Romreise abgesagt und sich als Vermittler zur Verfügung gestellt. Zu diesem Termin sind jedoch nur die Lokalpolitiker gekommen. Die Landesregierung hat es nicht für nötig gehalten, einen Vertreter zu den Gesprächen zu delegieren.

In Cochabamba ist es etwas ruhiger geworden und das tägliche Leben funktioniert einigermaßen gut, aber egal, wo man sich z. Zt. in Bolivien bewegt, spürt man die angespannte Situation deutlich. Im Departement Santa Cruz ist es noch ruhig, die Menschen jedoch haben eine deutliche politische Meinung und die ist nicht mit der der Landesregierung kompatibel, so dass keiner weiß, ob es auch nicht bei uns zu Konflikten kommen wird. Wir können nur hoffen und beten, dass es den Verantwortlichen gelingt, die Spannungen friedlich zu lösen.

In unserem Konvent und dem benachbarten Konvent St. Franziskus fanden in der letzten Woche Exerzitien für die franziskanischen Mitbrüder statt. Es fanden sich fast 50 Teilnehmer zusammen. Einige von ihnen hatten Sorgen wegen der Unruhen nicht nach Hause kommen zu können, aber glücklicherweise hat sich am Freitag die Situation etwas entspannt, die Straßenblockaden sind geräumt worden und alle sind gut zurückgekehrt. Anwesend war auch der nominierte Bischof Jorge Hierbas, der am 24. März die Bischofsweihe erhalten wird. Er hat sich bei Allen für die Gebete und Unterstützung bedankt und wir konnten Ihm noch einmal persönlich gratulieren und haben Ihm weiteren Beistand zugesagt.

Trotz der Exerzitien war auch das für mich Arbeitszeit. Ich musste dafür sorgen, dass Alle was zu Essen und, vor allem bei den Temperaturen, zu Trinken hatten.

Im Vikariat hat sich auch einiges getan. P. Pedro ist zu einem Sabbatjahr aufgebrochen. Demnächst wird auch P. Norberto sich gen Europa aufmachen. Verlassen hat uns auch P. Wayne der uns als Aushilfe einige Monate unterstützt hat.

Unsere Neuankömmlinge werden also schon bald voll im Einsatz sein. Um Ihnen den Einstieg etwas zu erleichtern werden einige Veränderungen stattfinden. Unter anderen geht P. Sixto nach El Puente und P. Andreas nach Ascencion - von dort wird er die Gemeinde San Pablo bedienen. Trotz allem ist die personelle Lage im Vikariat nicht die beste und immer noch haben wir einige Gemeinden ohne Priester.

Da ich zuletzt vor Weihnachten geschrieben habe, noch einige Sätze zu den Feiertagen. Heiligabend und der erste Feiertag sind hier für den pastoralen Dienst sehr arbeitsreich. Einige mussten bis zu 5 Gottesdiensten halten. So haben wir uns im Konvent eigentlich nur zu den Mahlzeiten gesehen. Am 26. 12. - den zweiten Feiertag gibt es in Bolivien nicht - lädt, schon traditionell, Bischof Estanislaus zu einem polnischen Feiertagsessen. Es gab einige Leckereien, die man hier in Bolivien nicht kaufen kann - diese schmeckten dann natürlich doppelt so gut.

An Silvester habe ich Bischof Antonio nach Comparapa gebracht, wo er Exerzitien bei den Dominikanerinnen durchgeführt hat. Es ist eine deutsche Fundacion, aber die Mehrheit der Schwestern stammt schon aus Bolivien. Comparapa - das ist ein schönes Fleckchen Erde, aber der Weg dorthin ist sehr beschwerlich. Es müssen Berge und Täler auf sehr schlechten Straßen überwunden werden. Wir haben Beide die Reise sehr schlecht vertragen, aber wie man so sagt: was uns nicht umbringt...

Die "Neuen" haben die Feiertage in Concepcion verbracht und sind danach noch etwas im Vikariat rumgereist. Ab Montag fangen sie ihre Dienste in den Gemeinden an. Bruder Marek ist in Cochabamba, wo er, so Gott will, einen Sprachkurs besuchen wird.

P. Sigismund ist immer noch in Cochabamba, es geht Ihm aber schon viel besser. Er kann schon schmerzfrei gehen, muss aber nach wie vor aufpassen, Krankengymnastik machen u.s.w. Möge Gott Ihm eine baldige Genesung schenken.

Bischof Antonio weilt auch noch in Cochabamba, wird aber in den kommenden Tagen zurückkommen und seine Dienste im Vikariat aufnehmen.

Und so hat das Neue Jahr bei uns angefangen. Ich wünsche uns Allen, dass wir genug Kraft, Gesundheit und Lust haben, um die Aufgaben, die uns erwarten zu erfüllen und dass wir dies in Frieden machen können.

Grüße Euch Alle und bis zum nächsten Mal - Tarcisio OFM





Missionsarbeit der Franziskaner aus der St. Hedwig-Provinz
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Last modification: 14 Mai 2008
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