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Santa Cruz III Advent - 2006
Am heutigen Morgen haben uns ein bedeckter Himmel und (Gott sei Dank) eine Abkühlung begrüßt. In den letzten Tagen hatten wir Temperaturen von über 35°C und eine Luftfeuchtigkeit von fast 100%. Etwas für Saunaliebhaber, aber zum Arbeiten nicht wirklich geeignet. Die kleine Abkühlung in dem bolivianischem Sommer begrüße ich also ganz herzlich.
Seit einigen Stunden ist die Stromversorgung in unserem Barrio (Stadtteil) unterbrochen. Oft, wenn ich mir die Kabelknoten an den Masten anscheue, da kann ich es fast nicht glauben, dass das alles noch funktioniert. Ich hoffe, dass das Problem bald behoben wird, sonst schwimmt uns alles aus den Kühlschränken raus - die haben ja - im Gegensatz zu meinem Laptop - keine Akkus.
Da ich gestern spät aus dem Vikariat zurück gekommen bin, habe ich mir vorgenommen etwas länger zu schlafen, aber unser Provinzial P. Martin, mit dem ich gestern unterwegs war, hat mich sehr früh geweckt, um mir den Stromausfall zu verkünden........ Na ja, es wendet sich alles zum Guten, und jetzt sitze ich am Computer und schreibe meinen Sonntagsbrief an euch.
In den letzten zwei Wochen war so viel los, dass ich nicht wirklich weiß, wie ich es in einigen Sätzen beschreiben soll. Nun, es ist ja Advent und somit, wie auf der ganzen Welt, viel Hektik.
Ich musste zusätzlich die liegengebliebene Arbeit aufarbeiten. In drei Monaten hat sich viel angesammelt, aber wie man hier sagt: poco a poco (eins nach dem anderen) wird sich alles wieder normalisieren.
Im Konvent finden nach wie vor viele Umbaumaßnahmen statt und auch viele Mitbrüder, die weit von Santa Cruz leben und arbeiten, waren in der Stadt, um die letzten Angelegenheiten des Jahres zu erledigen und die Weihnachtseinkäufe zu tätigegen. Oft hatte ich das Gefühl, dass wir in einem Bienenstock leben und arbeiteten.
Auch Bruder Marek - unsere Neuankömmling - hat einige Tage in Santa Cruz verbracht. Viele Formalitäten mussten geregelt werden, aber so langsam kommt er in der bolivianischen Realität an. Die drei Priester aus der Diözese Tarnow sind z. Zt. im Vikariat unterwegs, wo sie ab Januar ihre Arbeit aufnehmen werden. Ich habe das Gefühl, dass alle vier sich gut akklimatisiert haben und sich wohl in Bolivien fühlen.
Ende letzte Woche habe ich mein Auto mit Post und diversen, bestellten Einkäufen beladen und bin in Begleitung vom P. Cesar, der in Cochabamba arbeitet, ins Vikariat gefahren. In Concepcion haben wir dann gemeinsam mit vielen Menschen aus den umliegenden Dörfern, das Patronatsfest unserer Kathedrale gefeiert. Nach dem Hochamt gab es wie immer eine große, bunte Prozession und danach eine Fiesta - die bis Morgengrauens gedauert hat. Auf dem Rückweg sind wir noch nach Ascencion in Guarayos gefahren und dann spät am Abend zurück nach Santa Cruz.
Die politische Situation in Bolivien ist nach wie vor sehr angespannt. Die Regionen im Osten des Landes verlangen mehr Autonomie. Die Regierung ist strikt dagegen und versucht die Andenregion bevorzugt zu behandeln. Das stößt auf Unverständnis, weil das meiste Bruttosozialprodukt im Osten erwirtschaftet wird und sollte zum größten Teil dort bleiben. Die Politik der MAS führt zu Spaltung Boliviens. Am vergangenem Freitag fand in Santa Cruz eine Demonstration statt, an der fast 1 Million Menschen teilgenommen haben.
In San Julian, einer Gemeinde in unserem Vikariat in der vorwiegend Umsiedler aus den Bergen wohnen, kam es zu Ausschreitungen. Die Hauptstraße, die nach Santa Cruz führt, wurde blockiert und viele Busse mit Demonstranten konnten nicht weiterfahren. Diese fühlten sich provoziert und es gab Übergriffe, in denen viele Menschen verletzt worden sind und großer Sachschaden entstand. Da es eine friedliche Demonstration sein sollte, verstanden die Menschen die Reaktion der Anhänger der MAS nicht. Zurück in den Gemeinden haben sie dann als Rache die örtlichen Büros der MAS, so wie viele Geschäfte deren Anhänger angezündet. Wir hoffen und beten, dass sich die angespannte Situation friedlich lösen lässt.
Als ich gestern auf dem Weg nach San Ramon war, habe ich noch in San Julian die traurigen Zeugen der Auseinandersetzungen gesehen. Verbrannte Reifen, Steine und Glasscherben, abgesägte Bäume und Autowracks säumten die Straßenränder. Ein deprimierendes Bild.
Wir hoffen, dass die Regierung bald Gespräche mit der Bevölkerung des Oriente aufnimmt und sie als gleichwertigen Partner anerkennt. Möge die Friedensbotschaft, die wir aus der Krippe in Bethlehem empfangen, alle Menschen erreichen.
Euch Allen wünsche ich eine gute Adventswoche
Tarsycjusz
PS. In den letzten Tagen habe ich 600,-$ für diverse Operationen und Krankenbehandlungen Bedürftiger ausgegeben. Bei Allen, die mir während meines Urlaubes Geld für diese Zwecke gegeben haben, möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Die, die mir Gelder für Kinder anvertraut haben, möchte ich informieren, dass ich jetzt vor Weihnachten einige Aktionen geplant habe, so dass auch die Ärmsten in unserer Gesellschaft etwas weihnachtliche Freude erfahren können. Allen, die unsere Arbeit unterstützen, möchte ich hier ein herzliches Vergelts Gott aussprechen.
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