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Santa Cruz, 18.07.06

Die ganze Nacht habe ich kein Auge zugemacht. Rund um das Konvent herum gibt es viele Säle und andere Veranstaltungsorte, die vorwiegend an den Wochenenden genutzt werden. Dann haben wir Musik in vielen Varianten und das umsonst. Ich freue mich schon auf die ruhige Nächte im Urlaub. Nächte ohne Musik und ohne bellende Hunde, von den wir hier reichlich haben. Kaum ein Haushalt ohne Hunde und dazu unzählige Streuner, die abends eine große Gefahr sind und Nachts in Chören "musizieren". Da wir an diesem Wochenende das Fest El Carmen (Maria vom Karmelberg), Patronin von La Paz und ganz Bolivien gefeiert haben, gab es für Viele einen triftigen Grund, eine Fiesta zu organisieren. Nach solchen Nächten muss ich dann wohl oder übel den Sonntag zur Erholung nutzen. Aber gut, bald habe ich Urlaub, da kann ich ja schlafen. Bis es aber so weit ist, muss ich noch über drei Wochen arbeiten

Im meinem letzten Brief habe ich das Referendum zur neuen Verfassung geschrieben. Zum Glück ist es anders gekommen, als es sich die jetzige, prosozialistische Regierung gewünscht hat. Sie hätte 2/3 der Stimmen erhalten müssen, um die Verfassung nach eigenen Wünschen zu ändern. Mit ca. 50% der Stimmen müssen sie sich auf die Zusammenarbeit anderer Parteien verlassen und das wird schwierig sein. Gleichzeitig ist über die Frage nach mehr Autonomie entschieden worden. In 4 von 9 Departements hat man sich für mehr Autonomie entschieden. Alle 4 liegen hier bei uns im Osten des Landes. Die anderen Regionen liegen in den schwach wirtschaftlichentwickelten Anden. Der Osten und der Westen unterscheiden sich kulturell und sprachlich sehr. Dazu kommen die wirtschaftlichen Gegensätze, die zu einer immer tieferen Differenzierung führen. Die im Osten erwirtschafteten Güter werden von der Regierung vorwiegend im Westen des Landes ausgegeben. Die Situation wird durch Verstaatlichung vieler Betreibe noch verschärft. Auch eine Schulreform, die das Entfernen des Religionsunterrichts aus den Schulen mit sich bringen soll, ist im Gespräch. Dazu muss man sagen, dass tausende Schulen in Bolivien seit vielen Jahren in kirchlicher Trägerschaft sind. Tja, mich erinnern die neusten Entwicklungen in Bolivien an die sozialistischen Zeiten in Polen und in anderen Ländern Osteuropas.

Aber lassen wir Politik Politik sein, bei uns tut sich auch was. Der Umbau und Ausbau unserer St. Antonius-Kapelle im Konvent schreitet voran und wir hoffen, dass sie bis Ende des Jahres fertig sein wird. Auch bei uns im Konvent werden einzelne Zimmer renoviert, eigentlich müsste das ganze Konvent von Grund auf saniert werden, aber unsere Finanzen lassen es leider nicht zu. So geben wir uns auch mit kleinen Reparaturen zufrieden. Auch im Garten haben wir viele alte Pflanzen durch neue ersetzt, so ist jetzt etwas schöner und bunter. Es ist noch viel zu tun, aber hier sagt man: "poco a poco" also nach und nach.

Im Vikariat hat sich noch nichts Großes getan. Nach wie vor sind einige im Urlaub und dadurch müssen die Messen durch Wortgottesdienste, die von Ordensschwestern, Ordensbrüdern oder Katecheten zelebriert werden, ersetzt werden. Als ob das noch nicht genug wäre ist vor einigen Tagen P. Sixtus, aus der Gemeinde San Antonio de Lomerio, mit starken Schmerzen nach Santa Cruz gebracht worden. Jetzt liegt er in einer Klinik und wird auf die Ursache der Schmerzen untersucht. Wir wünschen ihm eine schnelle Genesung!

Unser Bischof Antonio ist auch andauernd unterwegs. Vor seiner Reise nach Europa möchte er noch so viel, wie es geht, erledigen. So hat er jetzt noch einige Firmungen, Visitationen und andere Verpflichtungen zu erledigen. Am 08.08. fliegt er dann nach Europa, wo ich ihn einen Monat lang dienstlich begleiten werde; danach werden wir beide unseren privaten Urlaub genießen.

Auch Bruder Felix war in der Stadt. Nach wie vor wohnt er alleine in El Fortin. Es ist zwar schon trocken im Dorf, aber es sind noch keine Entscheidungen im Bezug auf den Wiederaufbau getroffen worden. Bischof Antonio hat die Lokal- und die Departamentsregierungen zu einem Gespräch eingeladen, um den Betroffenen, so schnell wie möglich, eine konkrete Perspektive bieten zu können.

Da wir z. Zt. personell sehr dünn besetzt sind, kommen auch weniger Leute nach Santa Cruz, deshalb muss ich mich ab und zu auf den Weg machen; so auch letzte Woche. Zusammen mit Bruder Felix haben wir sämtliche Post und Bestellungen ins Auto gepackt und sind losgezogen. Nach einer Odyssee durch fast alle Gemeinden im Vikariat und viele Autostunden sind wir am 10.07. gut in Ascension in Guarayos angekommen. Auch P. Pedro ist angekommen und so haben wir im kleinem Kreis den Geburtstag vom P. Martin gefeiert. Nach dem Gottesdienst haben österreichische Schwestern einen netten Grillabend vorbereitet. In Ascencion lebt und arbeitet auch unsere geliebte Schw. Dorothea, die mit ihren 97 Jahren, seit 60 Jahren ihr Dienst hier verrichtet. Zwar kann sie nicht mehr schwer arbeiten, jedoch ist sie aber immer für alle da, bei jedem Gebet, jeder Mahlzeit, jeder Rekreation und steckt andere mit ihrer guten Laune an. Sie, in Guarayos, und P. Rudolfo, in Santa Cruz, sind zwei tragende Säulen unserer Missionsarbeit in Bolivien.

Mit Bruder Felix sind wir bis zum Mittagessen in Guarayos geblieben und danach weitergfahren. Auf dem Rückweg haben wir noch einige Ananasse gekauft. In dieser Region wachsen die Süßesten und Leckersten, die ich je gegessen habe. Um die 300 km nicht am Stück fahren zu müssen, haben wir in El Puente bei den dort lebenden Schwestern eine Kaffeepause angelegt. Und da zur Zweit die Zeit schneller vergeht, sind die Kilometer wie im Wind verflogen.

Ansonsten sieht man schon, dass sich die Trockenzeit breit macht. Das saftige Grün weicht immer mehr dem Grau und viele Bäume verlieren ihre Blätter. Aber trotzdem sieht man dann und wann etwas über die Straße huschen. Diesmal haben wir eine große, bunte Schlange gesehen. Und bei der Dämmerung können verschiedenste Papageien beobachtet werden. Nur schade, dass der Naturschutz hier noch nicht so fortgeschritten ist wie in Europa.

So, ich denke, dass es für heute reicht. Vielleicht schaffe ich es noch, vor meiner Reise zu schreiben.

Herzliche Grüße an Alle - Tarcisio OFM





Missionsarbeit der Franziskaner aus der St. Hedwig-Provinz
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Last modification: 18 November 2008
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