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Santa Cruz, 02.07.06

Der diesjährige Winter meint es gut mit uns. Bis jetzt sind die kalten Winde aus dem Süden weggeblieben. Die Temperaturen halten sich stets über 20° C und wir genießen es sehr, weil man sich gut von der Hitze erholen kann und nicht friert. Langsam merken wir aber, dass wir in der Mitte des Winters angekommen sind. Es regnet kaum noch, die Bäume haben schon ihre Blätter verloren und alles andere trocknet langsam aus. Auf dem Weg nach Concepcion, wo ich diese Woche war, konnte ich die Veränderungen in der Natur beobachten. Der Winter hat aber auch Vorteile. Jetzt sind kaum Insekten unterwegs, und wenn sich doch eine Mücke in einen Raum verirrt, bedeutet es aber ihr schnelles Lebensende!

Heute ist ein ruhiger Tag in Santa Cruz und ganz Bolivien, was mit den heutigen Wahlen und dem Referendum zusammenhängt. An den Wahltagen wird in Bolivien immer ein generelles Fahrverbot verhängt. Es können nur Fahrzeuge mit einer speziellen Genehmigung unterwegs sein. So müssen auch wir uns solche besorgen, um die Versorgung der Gemeinden an den betroffenen Sonntagen sicherstellen zu können. Das heutige Referendum entscheidet über mehr Autonomie in den Departements und wählt die verfassunggebende Versammlung. Ein heftiger Wahlkampf ging dem heutigem Tag voraus. Am Mittwoch haben wir hier in Santa Cruz eine große Kundgebung für mehr Autonomie der Region erlebt. Es waren ca. 500 000 Demonstranten versammelt. Ich bin sehr neugierig auf die Ergebnisse, vor allem, weil der neue Präsident in vielen Regionen schon an Popularität verloren hat. Vor allem die Einmischung von Cuba und Venezuela in die inneren Angelegenheiten Boliviens werden von Vielen nicht gerne gesehen. Wir werden sehen, was uns die Zeit bringen wird. Bis dahin können wir um Frieden und Stabilität in Bolivien beten.

Aber jetzt lasse ich Politik Politik bleiben und widme mich den Angelegenheiten den Vikariats. Wie ich schon letztens geschrieben habe, sind viele meiner Mitbrüder z. Zt. im Urlaub, so das Wenige viel mehr leisten müssen. Trotz aller Bemühungen können in manchen Gemeinden oder ihren Teilen nur alle 2-3 Wochen Messen gelesen werden. In den Zwischenzeiten gib es dort Wortgottesdienste, die von den Ordensleuten oder Katecheten zelebriert werden. Da Alle sehr viel zu tun haben, kommen sie jetzt sehr selten in die Stadt, so ist es dann meine Aufgabe, die "Außenposten" mit allem Notwendigen zu versorgen. Also packte ich mein Auto mit Einkäufen und Post voll und fuhr in die Weiten des Vikariats hinaus. Gesellschaft haben mir P. Marcus aus einer anderen Gemeinde in Santa Cruz und ein Mitbrüder, der in Honduras tätig ist und bei uns seinen Urlaub verbringt, geleistet. In Concepcion konnten wir dann den Geburtstag und Namenstag von P. Pedro feiern. Zusammen mit mexikanischen Schwestern, unserem Bischof und noch anderen Gästen haben wir nach einem feierlichen Gottesdienst in der Kathedrale dann einen netten internationalen Abend verbracht. Das Fachsimpeln über die WM fehlte natürlich auch nicht und wir konnten uns auch von Wetten nicht fernhalten. Einige haben auf Brasilien gesetzt - jetzt wissen wir aber schon, dass die Brasilianer leider nach Hause fahren müssen.

Es gibt nach wie vor Probleme mit unterschiedlichen südamerikanischen Fluglinien. Die letzten schockierende Nachrichten kommen von der Varig. Bis jetzt war das die zuverlässigste Linie in Südamerika und jetzt steht sie kurz vor Insolvenz. Nach dem bolivianischem Loyd ist das schon die zweite Linie, die in diesem Jahr in Schwierigkeiten kommt. Es wird immer schwieriger sich irgendwo zu bewegen. Als ich letztens aus Cochabamba zurückgeflogen bin, hatte die Maschine 4 Stunden Verspätung. Dafür musste unser Bischof vor kurzem länger in Sucre bleiben, weil sein Flugzeug einfach einige Stunden eher losgeflogen ist. Aber das nehmen wir mittlerweile mit Humor. Viel schlimmer gestalten sich die Verbindungen mit Europa. Aber die Hoffnung stirbt als Letztes.

Ich habe mitbekommen, dass sich in Europa tropisches Klima breitgemacht hat. So könnt ihr selbst erfahren, was es heißt, wenn es sehr heiß und die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist. Aber es ist ja Sommer und da ist es schon schön wenn es warm ist. Denen, die jetzt schon Urlaub oder Ferien haben, wünsche ich eine erholsame Zeit. Grüße auch alle "Bolivianer", die im Urlaub sind - ich selber kann ja auch bald schon den Koffer packe. Und bis dann ... bleibt mit Gott!

Tarsicio Josef Lamik OFM





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Last modification: 18 November 2008
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