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Santa Cruz - 3. Fastensonntag - 19.03.06
Frühling - ich denke, dass er in Europa bald zu spüren sein wird. Der Winter kann doch auch bei euch nicht ewig dauern, obwohl der Diesjährige mit Sicherheit schon außergewöhnlich war. Oft haben wir uns bei der hiesigen Hitze nach etwas Abkühlung gesehnt und die Bilder aus Europa fast mit Neid angeschaut. Aber im Grunde es ist einfacher Hitze zu ertragen, als ewig zu Frieren und Schnee zu schaufeln. Bald wird es jedoch umgekehrt sein: wir werden unter den kalten Winden aus dem Süden leiden und bei euch wird die Sonne scheinen.
Bei uns fängt langsam die Hauptsaison für Citrusfrüchte an. Br. Felix hat mir vor einigen Tagen einen ganzen Sack Apfelsinen und Grapefruits mitgebracht. Bei der feuchten Wärme reifen sie z Zt. sehr schnell. So kann ich mir jetzt täglich frische Säfte auspressen und Vitamine tanken. Aber auch hier in der Stadt sind die Marktstände langsam voll mit den süßen Früchten. Zwar haben viele Sorten, anders als in Europa, eine grüne Schale, aber im Geschmack sind sie nicht zu übertreffen. Süß wie Honig!!!!!!!!
Wie schon erwähnt, ist Bruder Felix in der Stadt und kümmert sich um den Einkauf von Lebensmitteln und Hygieneartikeln für die Bevölkerung aus El Fortin, die immer noch im Zeltlager wohnen muss. Dank der Finanzhilfen vieler Menschen können Grundnahrungsmittel eingekauft werden. Morgen wird sich der nächste Lastwagen in Richtung El Fortin bewegen. Die Situation wird immer prekärer, da die Hilfen der Regierung immer weniger werden und weil die umliegenden Hacienden auch vom Hochwasser betroffen sind, ist dort keine Arbeit zu finden. In jeden Gottesdienst der im Zeltlager gefeiert wird, danken Sie Gott für die Solidarität, die sie in der Notlage erfahren. Und auch ich möchte im Namen von Allen, ein herzliches "Gott vergelt´s !" aussprechen.
Bischof Antonio hat in den letzten Tagen viel Zeit bei den Flüchtlingen verbracht. Täglich besuchte er ein anderes Lager, Feierte dort Gottesdienste, führte unzählige Gespräche und hatte für Jeden ein offenes Ohr. Ein Hirte, der seinen Herden in der Not beisteht!
Aber auch die Ordensschwestern und –brüder, sowie die Priester stehen den Menschen bei. Sie organisieren und koordinieren Hilfen und versuchen das Leben in den Zeltlagern so normal wie es nur geht zu gestalten. Aber trotz aller Bemühungen kann man immer noch nicht von Entspannung der Situation reden. Das Wasser im Rio Grande steigt und sinkt, je nach dem, wie viel es in den Bergen geregnet hat. Und immer noch weiß keiner, ob die Menschen in die Dörfer zurückkehren werden können.
Bei mir sind die letzten zwei Wochen wie im Fluge vergangen. Hier im Konvent gab es auch ein reges Verkehr. Da Santa Cruz die einzige Großstadt im Osten Boliviens ist unserer Konvent ein zentrale Ort in dem Alle, die was in der Stadt zu erledigen haben, eine Unterkunft finden. Die Gründe sind sehr vielfältig. Angefangen von Arztbesuchen über Einkäufe, Behördengänge oder einfach als Umsteigestation auf Reisen. Zum Glück haben wir eine ganze Menge von Gästezimmern und können jedem ein Dach über dem Kopf bieten. Im Grunde sind wir so, als Hausbewohner, selten alleine da.
Heute - am St. Josefsfest - wird hier in Bolivien traditionell Vatertag gefeiert. Schon seit gestern Abend hört man lautes Feiern - so ist es in Bolivien - je lauter die Fete desto besser ist sie. Ich feiere natürlich auch meinen Namenstag, aber mit den Bolivianern kann ich da nicht mithalten. Bei der Gelegenheit möchte ich Allen, die heute Namenstag oder Geburtstag haben, vor allem P. Flavian aus Grafrath und P. Salezy aus Glatz, alles Gute wünschen. Felicitades aus Bolivien!!!
Die letzte Woche habe ich in Begleitung von zwei Mitarbeitern im Vikariat vor allem in Concepcion verbracht. Die immer knappe finanzielle Unterstützung aus Bayern zwingt uns genaustens zu schauen, welche Projekte oder in welcher Form wir diese weiterführen können und welche eingestellt werden müssen. Dies betrifft auch unsere Schulen und Werkstätten in Concepcion. Dank dieser Institution haben viele Menschen Arbeit in der Stadt und unzählige Jugendliche haben einen Beruf erlernen können. Leider übersteigt dieses Projekt in seine heutigen Form unsere finanziellen Möglichkeiten. Unsere Aufgabe ist jetzt, das Konzept den Finanzen anzugleichen. Aber schauen wir, was die Zukunft uns bringt...
An einem Abend haben uns die mexikanischen Ordensschwestern, die in Concepcion arbeiten, zum typisch mexikanischem Abendessen eingeladen. Es war sehr lecker, aber auch sehr scharf. Die ganze Nacht brannte es in meiner Kehle und auch das literweise getrunkene Wasser brachte keine Milderung. Na ja - Hauptsache lecker!!!!!!!!!
Auf dem Weg nach Concepcion habe ich die Post an die auf dem Weg liegenden Missionsstationen ausgeteilt. Auf dem Rückweg haben wir uns mit Bischof Antonio getroffen und einen kurze Dienstbesprechung gehalten. Danach ist jeder in seine Richtung gefahren.
So, für heute ist das alles. Ich werde jetzt versuchen, den Schlafdefizit der heutigen Nacht während der Siesta zu kompensieren. Wünsche euch Allen noch eine besinnliche Fastenzeit und grüße euch herzlich
Tarsicio -Jose OFM
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