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Liebe Mitbrüder und Missionsfreunde!

Zuerst grüße ich euch Alle mit einem herzlichen Pax y bien.

Wie ihr wisst, sind unsere Missionsstation in El Fortin und viele andere Ortschaften in unserer Region von einer Überschwemmung schwer getroffen worden. Das was passiert ist, konnte sich niemand vorstellen und auch die ältesten Bewohner der Region können sich nicht an so eine Katastrophe erinnern. Aber erst der Reihe nach.

Mitte Januar haben wir aus den Nachrichten erfahren, dass es in den Bergen rund um Sucre und Cochabamba sehr viel geregnet hat. Dies führte zum Anstieg der Wasserpegel im Departement Santa Cruz, jedoch ist das ein sich immer wieder in der Regenszeit wiederholendes Ereignis, der zu keinen Beunruhigungen geführt hat.

In der Nacht vom 24. auf 25. Januar begann sich unsere Lagune, die seit 5 Jahren ausgetrocknet war, mit Wasser zu füllen. Alle freuten sich, dass es bald wieder Fische geben wird, wir mit unserem Boot ausfahren und die Kinder baden werden können. Viele kamen und bestaunten das Phänomen. Ich machte einige schöne Fotos und wirklich niemand dachte an eine Bedrohung. Bis das Wasser in der Nacht zum 29. Januar mit einer horrenden Geschwindigkeit und Kraft anstieg und ins Dorf eindrang. Um ca. 2:00 Uhr Nachts musste das komplette Dorf evakuiert werden. Die Menschen rannten um ihr Leben und konnten nur das mit sich nehmen, was sie in dieser Situation tragen konnten. An diesem Sonntag gab es schon kein, Allen so vertrautes, Glockenläuten mehr in El Fortin – außer zwei Schwestern im Krankenhaus, unseren Pastor und mir war niemand mehr im Dorf. Auch in Teilen der Stationsgebäude, darunter auch unsere Kirche und das Pfarrbüro, drang Wasser hinein. Zum Glück konnten wir das Archiv der Gemeinde retten. Durch Wasser und Schlamm sind wir am späten Vormittag zum Krankenhaus gegangen, wo wir mit den Schwestern noch eine Eucharistie gefeiert haben. Am Nachmittag stieg dass Wasser noch mal, und auch wir mussten das Dorf verlassen. Mit einem Boot der SAR konnten wir, die Straße die wir sonst mit Autos befuhren, 7 km lang fast bis zur Hauptstrasse fahren. Von dort sind wir dann nach San Ramon gefahren, wo wir beim P. Andreas Unterschlupft gefunden haben – ein herzliches Dank dafür. Am Montag sind wir dann zu unseren Gemeindemitglieder zurückgefahren. Dank der schnellen Reaktion der Regierung konnte ein Zeltdorf errichtet und auch Nahrungsmittel für einige Tage als Soforthilfe gebracht werden. Ich bin dann zum Teil zu Fuß, zum Teil auf einem Traktor zu unserer Station zurückgekehrt. Stellenweise ging mir dass Wasser bis zum Hosenbund und ich musste mit der Strömung kämpfen, aber nach einer Weile bin ich nach Hause angekommen. Da unter anderem mein Zimmer trocken geblieben ist, bin ich dort bis zum Wochenende geblieben. An den Wochenenden löst mich unserer Hausmeister ab und ich fahre dann nach San Ramon, wo ich mich dann etwas ausruhen und pflegen kann. In El Fortin gibt es z. Zt. kein Strom, kein fließend Wasser und ruhig schlafen kann ich dort auch nicht. Jeden Morgen fühle ich mit den Zehen, ob es auch tatsächlich immer noch trocken bei mir ist. Auch viele ungewohnte Geräusche, wie das Wasserrauschen und das Zusammenfallen von Häusern wirken nicht gerade beruhigend auf mich.

Nach einigen Tagen konnten wir beobachten, dass das Wasser sich langsam wieder zurück zog, die Freude war aber etwas verfrüht. Die Regenfälle in den Bergen ließen nicht nach und so stieg das Wasser erneut. Der Anblick ringsum ist grausam. Überall Schlamm, Kadaver und Unrat, das das Wasser mit sich mitgebracht hat. Viele Obstbäume fallen um, weil sie so viel Wasser nicht vertragen, die Lehmhäuser lösen sich auf, die Felder sind mit Schlamm bedeckt. Ich weiß nicht einmal, ob hier noch Leben möglich ist.

Schon seit einem Monat fließt der Rio Grande durch El Fortin - wird sich das je noch ändern?

Unsere Leute sind schon sehr müde. Das Leben in den Zelten bei Temperaturen, die nicht selten die 40°C Marke erreichen, und das wenige und sehr eintönige Essen zerren an deren Kräften. Aber außer Warten und Hoffen können wir wenig tun. Erst wenn die Regenszeit vorbei ist, werden wir sehen, wie sich die Lage entwickelt.

Liebe Freunde, ich danke Euch, dass Ihr an uns denkt und auf viele unterschiedliche Weisen unterstützt. Ich werde heute noch auf meine „Insel“ in El Fortin fahren und unseren Hausmeister Riccardo ablösen. Mir haben die paar Tage hier in Santa Cruz gut getan. Was anderes zu sehen und zu hören als nur Wasser - super!

Bei dem nächsten Besuch hier in der Stadt werde ich mich wieder melden - danke für alles und Gruß - Br. Felix Skrzypacz OFM





Missionsarbeit der Franziskaner aus der St. Hedwig-Provinz
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Last modification: 18 November 2008
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